Autor Dr. Schulte, Rechtsanwalt, fragt, warum das Image der Banken in den letzten Jahren so gelitten hat. Der einstige Glanz ist weg. Das Vertrauen der Kunden ist verspielt worden. Wie konnte es soweit kommen?
Deutsche Bankenwelt im Umbruch - was ist geschehen?
Im Jahre 2010 arbeiten in den deutschen Banken 700.000 Mitarbeiter, angefangen vom Auszubildenden bis zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates. Die Bundesrepublik Deutschland gilt daher als überversorgt mit Bankdienstleistungen. Der Freie Berater hat aufgezeigt, dass die meisten Bankmitarbeiter sich offenbar nicht um das Kundenwohl bemühen, sondern dass das Vertrauen der Kunden in die deutsche Bankenlandschaft verloren gegangen ist. Banken sind volkswirtschaftlich von immenser Bedeutung für moderne Wirtschaftssysteme. Die Bedeutung für unser Wirtschaftssystem erlangten die Banken besonders in den Jahren des Gründungsbooms und der Industrialisierung 1870 und 1871. Aufgabe der Banken war die Versorgung von Industrie und Handel. Erst ab Mitte der fünfziger Jahre im letzten Jahrhundert wurden Bankdienstleistungen für größere Teile der Bevölkerung notwendig. Zu dieser Zeit wurden die Lohntüten abgeschafft und die Rente wurde nicht mehr bar durch den Postboten, sondern über ein Konto ausgezahlt. Zudem wurden Verbraucherkredite populär. Jeder hatte daher plötzlich ein Konto; Ende des Jahrhunderts hatte dann auch jedermann ein Depot. Ohne ein Bankkonto ist die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben heute kaum noch vorstellbar.
Deutsche Banken als Winzlinge in der Welt
Die Deutschen Banken gelten im Vergleich zu global agierenden Finanzkonzernen und Großbanken aus den Vereinigten Staaten als regionale Zwerge. Der Börsenwert der größten deutschen Bank, der Deutschen Bank AG, beträgt nur 36 Mrd. Euro, während die größte internationale Bank, die Citigroup aus den USA, 180 Mrd. Euro Börsenwert hat. Ein eineinhalbjähriger Gewinn der Citigroup würde daher genügen, die Deutsche Bank AG vollständig zu erwerben. Alleine bei der Citigroup arbeiten weltweit 300.000 Menschen. Die HSBC aus Großbritannien, die Bank of America und die J-P. Morgen Chase (beide USA) sind jeweils mindestens dreimal so groß wie der deutsche Branchenprimus. Und dabei ist die Deutsche Bank fast doppelt so groß wie die nächsten Verfolger im nationalen Vergleich, die Dresdner Bank AG oder die Commerzbank AG. Im internationalen Vergleich sind die deutschen Banken nur schwach aufgestellt und gelten als gefährdete Übernahmekandidaten. Es stehen also weitere Übernahmen deutscher Banken ins Haus, nachdem die Hypovereinsbank im Jahre 2005 bereits an eine italienische Bank gegangen ist.
Deutscher Bankenmarkt zersplittert
Die Überversorgung mit Banken hat traditionelle Gründe, weil die bestehende Bankenlandschaft unterschiedlich gewachsen ist. Die deutsche Bankenlandschaft ist dreigeteilt und besteht aus den Sparkassen, die in der Regel regionalen Bezug haben, aus Volks- und Raiffeisenbanken, die in der Regel als Hilfskassen für gewisse Berufsgruppen gegründet worden sind. Als dritte große Gruppe gelten die Privatbanken, die traditionell die Deutsche Bank anführt, gefolgt von der Dresdner Bank und dann der Commerzbank. Aufgrund der Dreiteilung des Marktes und der immer noch starken Traditionsbezogenheit der Kunden sowie der hohen Kundenbindung bestehen diese Bankensysteme in der Regel nebeneinander und sorgen für die regionale Versorgung mit Bankdienstleistungen des täglichen Lebens. Es gibt kaum ein Dorf in Deutschland, das nicht alle drei unterschiedlichen Banksysteme anbietet. Stark im Kommen sind darüber hinaus die Postbank und die Angebote der Internetbanken.
Kostendruck führt zur Kundenfeindlichkeit
Die hohen Kosten der Filialen führten seit Anfang 1980 zu einer Kostendämpfungspolitik und einer Vermarktungsoffensive von Bankprodukten, die eine Entfremdung der Kunden von "ihrer" Hausbank mit sich brachten. Die täglichen Bankgeschäfte des Kunden sollten am Automaten erledigt werden. Damit ging der Kontakt zum Kunden verloren, dem es im Grunde einerlei sein kann, ob er vor einem Automaten einer Sparkasse oder einer Postbank steht. Aggressive Vermarktungsstrategien von Bankprodukten verschlechterten die Kundenbeziehungen weiterhin, insbesondere wenn diese auf Kosten der Seriosität und Qualität der Bankenberatung gehen.
Durch die starke Fluktuation der Bankmitarbeiter sowie die Einführung von Provisionen für den Vertrieb als Gehaltsbausteine wurde weiteres Vertrauen verspielt, weil nun ein Verkaufsdruck auf die bankeigenen Mitarbeiter entstanden war. Der ständige Wechsel der Kunden von einer Bank zur anderen, die Fülle von Kundenbeschwerden, eine Reihe von Haftungsprozessen sowie die Ausfälle von Krediten haben ihre Ursache insbesondere darin, dass der Bankmitarbeiter häufig keinen persönlichen und keinen kontinuierlichen Kontakt mehr zum Kunden hat und daher z.B. Kreditausfallrisiken nicht richtig eingeschätzt werden können. Stattdessen versuchen die Banken das entstandene Defizit mittels Beratungssoftware, Schufa-Daten-Abfrage, Kreditvergabe über Scoringdatenbanken, über eine elektronische Auswertung der Kontenbewegungen usw. auszugleichen.
Dies alles beschwerte den Banken hohe Verluste aufgrund von verloren gegangenen Kunden, Schadenersatzansprüchen wegen falscher Beratung sowie Kreditausfällen in Milliardenhöhe. Trotz aller dieser Enttäuschungen werden allerdings immer noch mindestens 85% aller Fonds über Banken verkauft, zahlen die Kunden hohe Kontoführungsgebühren, ertragen schlechte Beratungen und nehmen Kreditkündigungen und Kreditvergaben nach Willkürkriterien hin. Warum? Mangels Alternativen?
Die Macht der Banken
Aufgrund des deutschen Universalbankensystems galt die Macht der Banken lange als unangreifbar. Das deutsche Rechtssystem schützt über das Kreditwesengesetz die Banken, da Einlagengeschäfte und Kreditgeschäfte fast ausschließlich Banken vorbehalten sind. Das Rechtssystem gilt als zementiert. Kennen Sie einen Unternehmensgründer, der eine Bank aus der Taufe gehoben hat? Natürlich nicht. Die Hürden um eine Bank zu gründen sind kaum zu nehmen. Bei einer Insolvenz eines Kreditkunden gilt immer: die Bank verliert am wenigsten, weil diese die besten Sicherheiten hat. Ohne Kredit und ohne Bankkonto ist der Start als Unternehmer undenkbar. Die Macht der Banken und ihr Einfluss auf den Kunden und seine Möglichkeiten der Teilhabe am Wirtschaftsleben sind sehr groß.
Der Kunde als überflüssiges Anhängsel
Während der Kunde also unbedingt auf seine Bank angewiesen ist, gilt die Abhängigkeit umgekehrt nicht unbedingt. Den meisten Ertrag erwirtschaften die Banken ohne ihre Kunden. Der Kunde mit seinen Problemen und Wünschen ist schlichtweg wirtschaftlich unbedeutend. Die Banken haben auch deshalb den Kontakt zu dem Kunden verloren, weil inzwischen der meiste Ertrag durch Eigenhandel verdient wird. So erwirtschaftete die Deutsche Bank AG im Jahre 2005 1/3 des Gewinns durch Eigenhandel, ein weiteres Drittel wurde durch Provisionen erlöst. Der Rest entfiel auf Gewinne aus klassischen Bankgeschäften. Das bedeutet im Klartext: von den ca. 65.000 Mitarbeiter der Bank weltweit, die ca. 55% aller Kosten der Bank verursachen, sind fast alle in dem Bereich klassischer Bankgeschäfte tätig. Für eine Universalbank ist daher der Kunde am Schalter nur ein kostenintensives Beiwerk der internationalen Geschäfte.
Dr. Thomas Schulte, Rechtsanwalt
Der Verfasser ist für den Inhalt verantwortlich
Sofortkontakt Dr. Schulte
Weitere interessante Beiträge finden Sie auf unserer Internetseite unter Pressemitteilungen
Kontakt:
Rechtsanwaltskanzlei Dr. Thomas Schulte
Joachimstaler Straße 20
10719 Berlin (Charlottenburg)
Telefon: (030) 71520670
Telefax: (030) 71520678
e-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Internet: http://www.dr-schulte.de
Der Verfasser Dr. Thomas Schulte leitet die Kanzlei Dr. Thomas Schulte. Die Kanzlei ist seit 1995 schwerpunktmäßig auf dem Gebiet des Kapitalanlagen- und Bankenrechts sowie auf dem Gebiet des Verbraucherschutzes tätig und vertritt bundesweit die Interessen einzelner Anleger. Die Kanzlei verfügt über zwei Büros in Berlin.
Ergänzende Absenderangaben mit allen Kanzleistandorten finden Sie im Impressum auf unserer Internetseite www.dr-schulte.de
|