„Pro Novo“ – Millionenbetrug an Anlegern

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Recht und Gesetz

Berlin/Hamburg Um insgesamt 3,7 Millionen Euro hat eine internationale Betrügerbande Kapitalanleger in Deutschland und der Schweiz erleichtert. Nach Angaben der Hamburger Polizei wurde der 34 Jahre alte mutmaßliche Bandenchef und Drahtzieher bereits am vergangenen Donnerstag in einem Berliner Internetcafé verhaftet. Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen haben die Täter unter dem Firmennamen „Pro Novo“ gemeinsam zwischen März 2003 und Februar 2005 Anlegern zahlreiche Termingeschäfte angeboten, ohne diese jemals durchzuführen. Insgesamt wurden 94 Kapitalanleger hinters Licht geführt.

 
Wie die meisten Betrügerbanden arbeiteten auch der mutmaßliche Haupttäter und seine Komlizen grenzüberschreitend und perfekt organisiert. Der Kopf der Bande hatte in Schwerin Büros angemietet und war offenbar von dort aus hauptsächlich tätig. Möglicherweise sind auch Kapitalanleger aus Mecklenburg-Vorpommern geschädigt. Kunden der Firma „Pro Novo“ sollen sich jedenfalls beim LKA Hamburg melden, so die Ermittler. In Hamburg, Berlin und dem schweizerischen St. Gallen wurden gestern mehrere Wohnungen durchsucht, was zur Sicherstellung weiterer Beweise führte.
 

Spektakuläre Flucht – Porsche sichergestellt

 
Bereits im August 2004 waren die Spezialisten des Hamburger Landeskriminalamtes (LKA) dem Haupttäter auf der Schliche. Bei der Wohnungsdurchsuchung sprang dieser aber aus der dritten Etage seines Wohnhauses und konnte entkommen. Immerhin konnten 40 000 Euro, zwei Rolex-Uhren und ein Porsche sichergestellt werden. Der Verdächtige setzte sich nach den bishrigen Ermittlungsergebnissen sodann in die Schweiz ab. Dort setzte er seine Betrügereien fort. In St. Gallen gründete er die Firma „Pro Novo“. Gemeinsam mit anderen Bandenmitgliedern bot er arglosen Anlageinteressenten festverzinsliche Wertpapiere und Termingeschäfte an. Nach Polizeiangaben transferierte die Bande alle vereinnahmten Gelder aber über Schweizer und deutsche Konten in die Türkei, anstatt sie anzulegen. Bei seiner Verhaftung wies sich der Verdächtige mit einem gefälschten italienischen Ausweis aus. Bei den nachfolgenden Wohnungsdurchsuchungen wurde weiteres Beweismaterial sichergestellt. Über den Prozess werden wir berichten.

Der Beitrag schildert die Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt der Erstellung. Internetpublikationen können nur einen ersten Hinweis geben und keine Rechtsberatung ersetzen.

Ein Beitrag aus unserer Reihe "So ist das Recht - rechtswissenschaftliche Publikationen von Dr. Schulte Rechtsanwalt" registriert bei DEUTSCHE NATIONALBIBLIOTHEK: ISSN 2363-6718
20. Jahrgang - Nr. 256 vom 23. Mai 2006 - Erscheinungsweise: täglich - wöchentlich

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