Immer wieder erreichen Betrüger ihre Ziele mit den ältesten Tricks. Die üblen Kniffe treiben Staatsanwälten, Richtern und Rechtsanwälten Tränen in die Augen. Ein Beispiel für den idealen Kapitalanlagebetrug 2007.
Eine ansprechende und professionell gestaltete Internetseite mit schwer wieder zu findenden Firmennamen ist oft Grundbestandteil des zeitgemäßen Betrugsmodells. Ein Unternehmen mit dem fiktiven Namen „All Word Mountain Ltd.“ und Sitz in Großbritannien ist unter den Abermillionen Internetseiten später schlecht zu finden.

Versprochen wird eine Rendite von 11% p.a. auf eine Laufzeit von 10 Jahren. Wer die lange Zeit durchhält, bekommt zudem einen Zusatzertrag von 30 % im elften Jahr des Investments. Es besteht eine Rückkaufsgarantie durch ein ebenfalls erfundenes Unternehmen.
Da das Projekt sehr kapitalintensiv ist, werden neue Geldanleger gesucht, so die Argumentation. Der Empfehler erhält eine Provision für die Weiterempfehlung, deren Höhe es ihm leicht macht, Geld zu investieren. Das Geldkonto zur Einzahlung wird von einem ahnungslosen Treuhänder geführt, der möglicherweise auch gleich den deutschen Geschäftssitz angemietet hat. Binnen weniger Wochen hat sich auf dem Treuhandkonto der Gesellschaft ein riesiges Vermögen angesammelt.
Typisches Projekt einer solchen Gesellschaft ist die Ausbeutung von unklaren Edelmetallen in Armenien und anderswo. Vielleicht sind es auch die Aktien solcher Gesellschaften, mit denen traumhafte Renditen erwirtschaftet werden sollen. Die eigentlichen Gründer und Strippenzieher eines solchen Projekts bleiben vollkommen vertraulich im Hintergrund. Den Verkäufern stehen Verkaufsbögen, Hochglanzprospekte, seriös anmutende Verträge und weitere Verkaufsmittel zur Verfügung. Oft werden auch Videos mit ausländischen Fernsehbeiträgen präsentiert, die das Projekt bejubeln. Solche Beiträge sind selbstverständlich selbst hergestellt. Gerne werden auch Artikel von Professoren und Studien zur „Illustration“ verwendet. Auch hier ist für den Anleger höchste Vorsicht geboten.
Oftmals bemerken Anleger den drohenden Betrug erst, wenn der Vertrag unterschrieben und das Anlagekapital überwiesen ist. Aufgrund der psychologisch geschickt aufgebauten Hemmschwelle, sich die eigene Gutgläubigkeit einzugestehen, wird der Anleger  gut gemeinte Hinweise zunächst ablehnen. Dies ist den Anlagebetrügern bewusst und von ihnen gewollt. Um solchen psychologischen Fallen schon im Vorfeld zu entkommen, bedarf es lediglich einiger einfacher Schritte, um die vermeintlich hochprofitable Anlagestrategie auf Seriosität und Hintergrund abzuklopfen. Genauere Kenntnis von Anlagestrategien und theoretischen Hintergründen sind dabei zwar von Vorteil, jedoch nicht zwingend notwendig.
Vielfach reicht es schon, sich die Kompetenzträger und Anlagevermittler genauer anzuschauen und deren Vergangenheit einer kritischen Durchleuchtung zu unterziehen. Anlagevermittler kommen selten „aus dem Nichts“. Zwar ist es heute nicht unüblich, unbekannte potentielle Anlageopfer unter einem Vorwand anzusprechen und im Laufe des Gespräches dann auf den hochprofitablen „Geheimtipp“ zu kommen. Bei solcher Vorgehensweise sollte man versuchen, auf sein meist funktionierendes Bauchgefühl zu hören und nicht den vermeintlichen goldenen Worten des Gesprächspartners zu vertrauen. Es reicht vielfach schon, sich zu überlegen, warum man angesprochen wurde. Was hat der Anpreiser der Anlage davon? Warum wurde man selbst angesprochen? Hätte auch ein beliebiger anderer angesprochen werden können?
Psychologisch geschulte Anlagevermittler versuchen den potentiellen Kunden im Gespräch  häufig auf so genannte „Ja-Straßen“ zu führen, mit Hilfe deren das zukünftige Opfer mittels geschickt gelenkter Argumentation dazu gebracht wird, jede (rhetorische) Frage euphorisch mit einem „Ja“ zu beantworten: „Wollen Sie Ihr Vermögen gewinnbringend anlegen? Wollen Sie kurzfristige Erfolge? Wollen Sie Steuern sparen?“ Wer will das nicht? Diese Argumentation ist leicht durchschaubar und kann mit kritischer Betrachtung durchbrochen werden. Schnell auf einem Schmierblatt aufgezeigte Rechenbeispiele können durch konsequentes Nachfrage und Abändern ins Wanken gebracht werden. So reicht oft schon freundliche und beharrliche Neugier Widersprüche aufzudecken. Ein Anlagebetrüger weiß, welche kritischen Fragen er in welcher Form entkräften kann. Stellen Sie deshalb Fragen, die er nicht erwartet. So brechen Sie den Argumentationszusammenhang und konfrontieren ihn mit Ihren Argumenten.
Oft ist es auch hilfreich, die Vergangenheit der Hintermänner und Vermittler zu betrachten. Was hat er vorher gemacht? Warum bietet er unter neuem Namen ein altes Produkt an? Wieso bietet er nun ein völlig anderes Produkt an und versucht, sein altes Produkt schlecht zureden? Eine erste Recherche ist oftmals gar nicht schwer. Eine kurze Suchanfrage im Internet mit einer Namensangabe und den Hintermännern bringt oft erstaunliche Ergebnisse. Vielfach ist die angepriesene einmalige Gelegenheit ein alter Hut, der schon vielfach unter anderen Namen wiederverwertet worden ist. Oft wechseln nur die Produkte und nicht die Namen dahinter.
Wenn möglich sollte man auch das Vermögen der handelnden Personen überprüfen. Wie hoch ist die Kapitaldecke? Wie wird die eigene Investition in die Anlagemasse eingebracht? Wie hoch ist die Beteiligungsquote? Auch ist es hilfreich, sich nach Referenzen zu erkundigen. Gerade im so genannten grauen Kapitalmarkt wird die Beantwortung solcher Fragen die eigene Kritikfähigkeit stärken. Wer viel verspricht, hält meist nur wenig. Gerade wenn von der „einmaligen Gelegenheit“ die Rede ist, ist größte Vorsicht geboten. Meist wird dem Anleger nur ein kurzes Zeitfenster eröffnet, welches mit eindruckvollem Prospektmaterial und Blendwerk illustriert wird. Hier wird gezielt versucht, den Anleger zu einer schnellen Entscheidung zu drängen. Nehmen Sie sich Zeit und sprechen mit ihrem Anwalt oder Steuerberater über die Anlage. Oft reicht ein kritischer Blick von dritter Seite, um Hintergründe aufzudecken und das Kartenhaus in sich zusammenfallen zu lassen.
Sinnvoll ist es in diesem Zusammenhang zudem, seine bisherige Anlagestrategie zu betrachten. Meist ist man mit dieser soweit gut gefahren. Sind es die versprochenen kurzfristigen Erfolge wert, Depots, Fonds und Versicherungen aufzulösen und einen gegebenenfalls geringeren Rückkaufswert in Kauf zu nehmen? Eine sinnvolle Risikoverteilung ist meist besser als die blinde Konzentration auf eine Anlage.
Wenn der Geschäftssitz des Anlagenanbieters im (nicht-europäischen) Ausland liegt, wird die Luft oft dünn. Dies erschwert unter Umständen eine spätere gerichtliche Auseinandersetzung. Häufig ist ein Indiz für eine dubiose Anlageform der Umstand, dass der Ansprechpartner nur schwer identifizierbar ist. Eindrucksvolle Titel auf dem Briefkopf und unerreichbare Telefonnummern ersetzten nicht den persönlichen Kontakt.
Äußerste Vorsicht ist auch bei so genannten „Rückkaufsgarantien“ geboten. Hier werden unter der Bezeichnung Garantie Dinge in Aussicht gestellt, welche dieser Bezeichnung spotten und an Bedingungen geknüpft, die in der Realität sowieso nicht eintreten. Zuletzt gilt im Zweifel immer ein allseits bekannter „Tipp“, der trotzdem selten beachtet wird: Lesen Sie sich den Vertrag durch, den Sie unterschreiben wollen und lassen Sie sich dafür Zeit. Drängen Sie darauf, den Vertrag vor dem Unterschreiben alleine und in Ruhe durchzulesen. Seriöse Vermittler werden nichts dagegen haben. Fragen Sie, wenn Ihnen etwas unklar ist und lassen Sie sich nicht überrumpeln.

Der Beitrag schildert die Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt der Erstellung. Internetpublikationen können nur einen ersten Hinweis geben und keine Rechtsberatung ersetzen.

Ein Beitrag aus unserer Reihe "So ist das Recht - rechtswissenschaftliche Publikationen von Dr. Schulte Rechtsanwalt" registriert bei DEUTSCHE NATIONALBIBLIOTHEK: ISSN 2363-6718
19. Jahrgang - Nr. 182 vom 23. Januar 2007 - Erscheinungsweise: täglich - wöchentlich


Über den Autor:

Dr. Thomas Schulte ist Rechtsanwalt und Fachautor aus Berlin.

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