Wetten, dass…?!

Von „Surebets“ oder der reizvollen Theorie, immer zu gewinnen

Sportwetten erfreuen sich nicht nur in Deutschland größter Beliebtheit. Der Kitzel, mit dem eigenen Sportwissen Geld zu verdienen, erfasst jung und alt und verspricht zumindest deutliche bessere Aussichten, als bei einer Lotterie erfolgreich zu sein, in der der Gewinn einzig und allein Glückssache ist. Nun kursiert in einschlägigen Internetforen und auf Webseiten von Wettanbietern seit einiger Zeit die Idee eines so genannten „Surebets“. Sportwissen ist dabei nicht gefragt, denn ein „Surebet“ oder auch „Arbitrage“ ist eine vermeintlich todsichere Wette, bei der man immer gewinnt, egal wie das Fußballspiel oder der Boxkampf ausgeht – zumindest theoretisch. Sportwetten mit Gewinngarantie haben schon eine gewisse Tradition. Vor drei Jahren heckten dunkle Mafiosi Spielergebnisse aus, die der Schiedsrichter Robert Hoyzer dann mit Pfeifen, Augen zudrücken und Karten zücken realisieren musste. Damals handelte man illegal, ein „Surebet“ ist es per se nicht und genau deshalb für viele so reizvoll.

„Surebets“ gibt es erst seitdem Buchmacher ihre Wetten auch im Internet anbieten. Das scheinbar sichere Geschäft erfordert eine genaue Beobachtung des Marktes und der Quoten, sowie ein schnelles Handeln, da bei einem „Surebet“ von der Unausgeglichenheit der Quoten profitiert wird, welche allerdings von den betroffenen Buchmachern rasch angeglichen werden. Bei der „sicheren“ Wette setzt man beispielsweise beim Fußball auf alle drei Spielausgänge oder beim Boxen auf zwei Siege, einen für Kämpfer A und B. Da viele Anbieter die Stärke zweier Fußballmannschaften unterschiedlich einschätzen, sucht man sich die jeweiligen drei Buchmacher oder Wettbörsen heraus, die für das Spielerereignis Sieg, Unentschieden und Niederlage die beste Quote anbieten und tippt so, dass der Gewinn für jedes Spielergebnis immer höher ist, als der ingesamte Einsatz bei allen drei Wettbüros. Auch bei internationalen Boxkämpfen differieren die Wettquoten zwischen den Heimatländern der beteiligten Boxer. So schätzt beispielsweise ein amerikanischer Buchmacher einen US-Amerikaner oftmals stärker ein als der europäische Buchmacher, so dass durch die verschiedenen Einschätzungen oftmals Differenzen entstehen. Entsprechend unterschiedlich sind die Wettquoten, die dann zu einem „Surebet“ führen.

Was aber auf ersten Blick wie ein willkommener und lukrativer Nebenverdienst erscheint, ist mit Vorsicht zu genießen. In der Praxis gibt es mehrere Haken, die den vermeintlich sicheren Gewinn unsicher, ja zu einem finanziellen Debakel machen können. Denn um „Surebets“ überhaupt sinnvoll zu spielen, sollte man bei mindestens 15 Anbietern ordnungsgemäß angemeldet sein. Zwar gibt es verschiedene Buchmacher, die oft sehr hohe Quoten anbieten, die „Surebets“ überhaupt erst möglich machen. Dort, wo man die Quoten entdeckt, die zu einem „Surebet“ führen könnten, braucht man jedoch ein Konto mit ordentlich liquiden Mitteln, da die Gewinnmargen gering sind und sich „Surebets“ nur dann auszahlen, wenn um große Beträge gespielt wird. Bedenkt man, dass sich nach einigen „Surebets“ das Wettkonto bei einem Anbieter zwar stark erhöht, es bei einem anderen jedoch wieder leer ist, sind gewaltige finanzielle Anstrengungen nötig, um das entsprechende Konto wieder zu füllen. So sind schnell 5.000 € bis 10.000 € auf den verschiedensten Internetkonten in aller Welt verstreut. Die Frage, wie seriös ein Anbieter mit einem Firmensitz auf den französischen Antillen ist, muss dabei jeder selbst beantworten.

Zudem wird bei den Wettanbietern für Einzelwetten eine Tippscheingebühr zwischen 10 und 15 Prozent erhoben, welche auf die Quoten angerechnet werden muss. Es reicht also nicht, dass die Auszahlungsquote zusammen über 100 Prozent liegt, da in Wirklichkeit oftmals erst ab 105 Prozent von einem „Surebet“ gesprochen werden kann. Doch damit nicht genug. Hat man schließlich einen großen Betrag gesetzt, kann der Glücksritter nur hoffen, dass die anderen Buchmacher in der Zwischenzeit nicht die Quoten zu seinen Ungunsten verändert haben, denn dann war es das mit dem sicheren Gewinn. Zwei der drei Wetten gehen bei einem Fußball-Tipp ja in jedem Fall schief und wenn man sich genötigt sieht, wieder einzuzahlen, weil unter Umständen die anderen Konten leer sind, kann das erneut Gebühren mit sich bringen. Zudem besteht grundsätzlich die Gefahr, dass eine Wette aufgrund individueller Limits gar nicht erst angenommen wird. Dumm ist dies natürlich dann, wenn man bereits bei zwei Wettanbietern das Geld platziert hat. Letzten Endes kann es sogar passieren, dass ein Buchmacher eine Wette als fehlerhaft bezeichnet und im Nachhinein storniert, was wiederum einen hohen Verlust bedeutet.

Ein „Surebet“ mag auf manch blauäugigen Wetter eine große Anziehungskraft ausüben, denn wer wird bei einem sicheren Geldgewinn nicht hellhörig? Auch viele Mathematiker erfreuen sich mit Rechenspielen an der Quasi-Unfehlbarkeit der Idee des „Surebets“, die angeführten Risiken und Nebenwirkungen sollten aber jeden noch so profitbewussten Sportsfreund von der Umsetzung in der Praxis abschrecken. Hier noch einmal die Risiken und Nebenwirkungen von „Surebets“kurz zusammengefasst:

1. Es sind meist nur sehr geringe Renditen von 1bis 10 Prozent möglich.

2. Viele Buchmacherkonten sind nötig (bis zu 50 Anbieter).

3. Es ist viel Geld nötig, da die vielen Konten alle mit entsprechenden Beträgen gefüllt sein müssen, um schnell reagieren zu können

4. Es ist viel Zeit nötig, um interessante „Surebets“ zu finden. Der Vergleich von hunderten von Anbietern kann sich schnell zu einer Tagesaufgabe auswachsen.

5. Schnelles Reagieren ist ein Muss, weil die Quoten schnell nach unten angepasst werden.

6. Damit sich ein „Surebet“ lohnt, muss der Wetteinsatz möglich hoch sein, da der Gewinn selten höher als 10 Prozent ausfällt.

7. Buchmacher können Wetten im Nachhinein als fehlerhaft bezeichnen und stornieren, wodurch der „Surebet“ verhindert wird und ein Verlustgeschäft droht.

Der Beitrag schildert die Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt der Erstellung. Internetpublikationen können nur einen ersten Hinweis geben und keine Rechtsberatung ersetzen.

Ein Beitrag aus unserer Reihe "So ist das Recht - rechtswissenschaftliche Publikationen von Dr. Schulte Rechtsanwalt" registriert bei DEUTSCHE NATIONALBIBLIOTHEK: ISSN 2363-6718
17. Jahrgang - Nr. 122 vom 12. September 2007 - Erscheinungsweise: täglich - wöchentlich


Dr. Thomas Schulte

Über den Autor:

Dr. Thomas Schulte ist Rechtsanwalt und Fachautor aus Berlin.

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