Schuldverschreibungen und partiarische Darlehen – große Risiken für Verbraucher

Empfehlung von Dr. Thomas Schulte wegen großer Erfahrung und erfolgreicher Prozessführung, z.B. Titelbeitrag im Magazin „Capital“, Ausgabe 07/2008.

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Investment fraud via finanzexp.de / Pixabay

Ein Groß­teil der An­ge­bo­te auf dem grau­en Ka­pi­tal­markt wa­ren bis­her Ge­sell­schafts­be­tei­li­gun­gen, stets ver­bun­den mit dem Ri­si­ko des To­tal­ver­lus­tes. Zu­min­dest ei­nes konn­ten die Ini­tia­to­ren die­ser Ge­schäfts­mo­del­le den Ge­sell­schaf­tern je­doch nicht neh­men: Die ge­setz­lich ver­brief­ten Buch­ein­sichts- und Kon­troll­rech­te. Sei­t neus­tem wer­den dem gut­gläu­bi­gen Pub­li­kum je­doch Schuld­ver­schrei­bun­gen und so ge­nann­te par­tia­rische Dar­le­hen an­ge­bo­ten. Bei die­sen gibt es na­he­zu kei­ner­lei Kon­trollmöglichkeiten mehr, teil­wei­se sind die­se For­de­run­gen so­gar mit ei­nem be­son­de­rs ge­fähr­li­chen Rang­rück­tritt ver­se­hen. Be­son­ders ge­warnt wird der­zeit vor den An­ge­bo­ten der DM Be­tei­li­gungs AG aus Düs­sel­dorf. Die Ver­brau­cherzentrale NRW be­rich­tet von ei­nem un­ge­heu­ren Ka­pi­tal­be­darf die­ses Un­ter­neh­mens. So hat die die DM Be­tei­li­gungs AG in im­mer kür­ze­rem Ab­stand In­ha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen aus­ge­ge­ben und Mil­lio­nen­be­trä­ge mit die­sem Mo­dell ein­ge­sam­melt. In­ha­berschuldverschreibungen sind Wert­pa­pie­re, die ge­setz­lich be­son­ders ge­re­gelt sind. Die Si­cher­heit ei­nes sol­chen Pa­pie­rs kann je­doch nicht ga­ran­tiert wer­den. Das Ba­Fin (Bun­des­an­stalt für die Fi­nanz­dienst­leis­tungsaufsicht) führt le­dig­lich ei­ne for­mel­le Prü­fung durch, ob die ge­setz­li­chen Form­er­for­der­nis­se ein­ge­hal­ten sind. An­sons­ten han­delt es sich hier um ei­ne Ver­trau­ensinvestition: Der An­le­ger gibt dem Un­ter­neh­mer Geld und hofft, dass nach Ab­lauf der Schuld­ver­schrei­bung die­ses Geld samt Zin­sen zu­rück­ge­zahlt wird. Es gibt kei­ne Ein­la­gen­si­che­rung für die­se Wert­pa­pie­re, selbst die ge­setz­li­che Min­dest­si­che­rung für Schuld­ver­schrei­bun­gen von Ban­ken greif­t hier nicht. Soll­te das Un­ter­neh­men in die In­sol­venz ge­hen, kann nur noch ei­ne In­sol­venz­for­de­rung an­ge­mel­det wer­den, die dann ent­spre­chend der auf die je­wei­li­gen Gläu­bi­ger ent­fal­le­nden Quo­te be­dient wird. Ein­fluss­nah­memöglichkeiten auf die Ge­schäfts­ent­wick­lung hat der Schuld­ver­schrei­bungs­gläu­bi­ger nicht, der Un­ter­neh­mer kann mit dem Geld nach Gut­dün­ken ver­fah­ren. Noch ge­fähr­li­cher sind die der­zeit vers­tärkt ver­trie­ben­en par­tia­rischen Dar­le­hen. Hier­bei han­delt es sich um Dar­le­hen, de­ren Ver­zin­sung sich am ge­schäft­li­chen Er­folg und am Ge­winn des an­bie­ten­den Un­ter­neh­mens ori­en­tiert. Da­ne­ben kön­nen auch fes­te Zin­sen ver­ein­bart wer­den. Auch hier be­steht kei­ner­lei Ein­sichts­recht des Geld­ge­bers in die Bü­cher des Un­ter­neh­mers, so­dass die­ser den Ge­winn be­lie­big klein­rech­nen kann und ins­be­son­de­re die Ver­wal­tungs­kos­ten be­lie­big auf­blähen kann. In den al­ler­meis­ten Fäl­len ver­ein­ba­ren die Un­ter­neh­mern so­gar ei­nen Rang­rück­tritt mit dem ah­nungs­lo­sen Dar­le­hensgeber. Dies be­deu­tet, dass das Dar­le­hens­ka­pi­tal wie Ei­gen­ka­pi­tal be­han­delt wi­rd um im Fal­le der In­sol­venz der Dar­le­hens­ge­ber nicht ein­mal An­sprü­che zur In­sol­venz­ta­bel­le an­mel­den kann. Vor die­sen An­ge­bo­ten ist da­her drin­gend ab­zu­ra­ten, da es sich um ei­ne Ver­trau­ens­in­ves­ti­ti­on bei gleich­zei­ti­ger Recht­loss­tel­lung han­delt. Was vie­le An­bie­ter der par­tia­ri­schen Dar­le­hen nicht wis­sen: Nach ei­nem Ur­teil des VG Ber­lin han­delt es sich hier­bei um Ein­la­gen­ge­schäf­te im Sin­ne des KWG. Dem­nach ist für sol­che Ge­schäf­te ei­ne Ban­kli­zenz er­forderlich, die wohl die we­nigs­ten Ak­teu­re des grau­en Ka­pi­tal­mark­ts vor­wei­sen kön­nen. Wer sol­che Ge­schäfte oh­ne Ban­kli­zenz be­treibt, macht sich straf­bar. Das KWG sieht ei­ne Frei­heitsstrafe von bis zu drei Jah­ren für un­er­laub­te Bank­ge­schäf­te vor. Zu­sätz­lich kann das Ba­Fin je­der­zeit die Ein­stel­lung des Ge­schäfts­be­trie­be an­ord­nen so­wie die Rück­ab­wick­lung der bis­he­ri­gen Ge­schäf­te. Für ge­prell­te An­le­ger kommt zu­sä­tzlich die Mög­lich­keit in Be­tracht, Scha­den­ser­sat­zan­sprüche ge­gen den Ini­tia­tor per­sön­lich zu stel­len. Fa­zit: Fin­ger weg von par­tia­ri­schen Dar­le­hen, bei Schuld­ver­schrei­bun­gen soll­te man auf die Bo­ni­tät und Se­ri­osität des An­bie­ters ext­re­men Wert le­gen. Kei­nes­falls soll­te man Schuld­ver­schrei­bun­gen von un­be­kann­ten Fir­men mit zwei­fel­haf­tem Hin­ter­grund zeich­nen.

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Dr. Thomas Schulte

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Ein Beitrag aus unserer Reihe "So ist das Recht - rechtswissenschaftliche Publikationen von Dr. Schulte Rechtsanwalt" registriert bei DEUTSCHE NATIONALBIBLIOTHEK: ISSN 2363-6718
20. Jahrgang - Nr. 487 vom 21. September 2007 - Erscheinungsweise: täglich - wöchentlich

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