Die Plei­te der US-Bank Lehman Bro­thers und de­ren Aus­wir­kun­gen auf die Welt­wirt­schaft wur­den in der Pres­se be­reits hin­rei­chend dis­ku­tiert und aus­ge­wer­tet. Es stellt sich nun­mehr je­doch die Fra­ge, wie sich die Ban­ken­plei­te für den ein­ze­lnen Ka­pi­ta­lanleger aus­wirkt. Hier­bei ist be­son­ders auf das so ge­nann­te Emittentenri­si­ko hin­zu­wei­sen. Bemerkenswert ist zudem, dass sich bei den Rechtsanwälten die ersten Opfer melden.

Was ist der Hin­ter­grund des Emittentenri­si­kos?

Zahl­rei­che Zer­ti­fi­kate, die Lehman Bro­thers aus­ge­ge­ben hat, bein­hal­ten in ih­rem Em­issionsprospekt ei­nen Hin­weis zum so ge­nann­ten Emittentenri­si­ko. Die­ser besagt, dass bei der sehr un­wahr­scheinl­ichen Plei­te des Emittenten das Zer­ti­fi­kat lo­gi­scher­wei­se wert­los wird. Ein Hin­weis, den vi­ele An­le­ger si­cherl­ich bis­her nicht sehr ernst nah­men, konn­te je­doch nie­mand da­von aus­ge­hen, dass ei­nes der größ­ten Ban­kenhäuser der USA plötz­lich in die Plei­te geht.

Nun­mehr wirkt sich die­ses Emittentenri­si­ko je­doch da­hin­ge­hend aus, das sämtl­iche An­le­ger wohl auf Ih­re An­sprü­che aus den von Lehman ausgegebenen Zer­ti­fi­ka­ten ver­zich­ten müs­sen.Zahl­rei­che An­le­ger wer­den so­mit wohl in die Röh­re gu­cken müs­sen, da das Emittentenri­si­ko deutl­ich pro­spek­tiert und in den meis­ten Fäl­len wohl auch für den An­le­ger er­kenn­bar war. Glück ha­ben die An­le­ger, de­ren Zer­ti­fi­ka­te mög­li­cher­wei­se wei­tere Pros­pek­tfehler ent­hal­ten. In die­sem Fall kann zum Bei­spiel ge­gen die be­ra­ten­de Bank auch ein An­spruch aus Pros­pekthaftung oder Falsch­be­ra­tung gel­tend ge­macht wer­den. Ein in­te­res­san­ter Aus­weg für An­le­ger, da die Emittentin nun­mehr zumindest als Garant für die Einlösung von finanziellen Versprechen vom fi­nan­ziel­len Erd­bo­den vers­chwund­en ist. Die Anleger haben höchs­tens noch An­sprü­che im Rah­men ei­nes In­sol­venz­ver­fah­rens, wel­ches je­doch ei­ni­ge Jah­re Zeit und Auf­wand in An­spruch neh­men wird.

Ist der An­le­ger durch die be­ra­ten­de Bank nicht hin­rei­chend über die Risi­ken der Zer­ti­fi­ka­te auf­ge­klärt wor­den, weil zum Bei­spiel ei­ne fal­sche Ri­si­koklasse beim Ver­kauf der Zer­ti­fi­ka­te ge­wählt oder das Emittentenri­si­ko ent­we­der he­run­terge­spielt oder in der letz­ten Zeit, in der es um die Lehman Bro­thers nicht so gut stand, verh­arm­lost oder gar nicht er­klärt wurde, ist auch ei­ne Haf­tung der Bank aus Be­ra­tungs­ver­pflicht­ver­letz­ung denk­bar. Hier­zu be­darf es al­ler­dings aus­sa­ge­kräf­ti­ger Un­ter­la­gen oder Zeu­gen, die bei der Be­ra­tung mit zuge­gen waren. Soweit die Zertifikate ähnlich risikolos wie Sparbücher oder Festgeldkonten dargestellt wurden, besteht allerdings ein Anspruch auf Schadenersatz.

Fa­zit:

Der An­le­ger der nunmehr wegen der Insolvenz der Lehman Brothers seine Anlagesumme eingebüßt hat, ist so­mit nicht völ­lig rechts- und schutz­los, da ihm wei­ter­hin die beratende Bank als An­spruchs­gegn­er zur Ver­fü­gung steht. In­wie­weit An­sprü­che ge­gen die Bank sinn­voll und wert­hal­tig sind, muss je­doch durch ei­nen auf das Kap­i­ta­lan­lage­recht spe­zia­lisierten Rechts­an­walt ge­prüft wer­den.

Tin­te­mann

Rechts­an­walt

23.09.2008

Änderungen und Ergänzungen durch Dr. Schulte, Rechtsanwalt, 29.09.2008

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Ein Beitrag aus unserer Reihe "So ist das Recht - rechtswissenschaftliche Publikationen von Dr. Schulte Rechtsanwalt" registriert bei DEUTSCHE NATIONALBIBLIOTHEK: ISSN 2363-6718
17. Jahrgang - Nr. 546 vom 29. September 2008 - Erscheinungsweise: täglich - wöchentlich


Dr. Thomas Schulte

Über den Autor:

Dr. Thomas Schulte ist Rechtsanwalt und Fachautor aus Berlin.

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