Die dunkle Seite der Sterne - Dr Thomas Schulte

Die dunkle Seite der Sterne: Wie Google-Bewertungen Verbraucher irreführen

Sterne als Turbo oder Bremsklotz? Wer steuert Ihren Ruf morgen: echte Kunden oder fremde Daumen?

Früher war der Ruf eines Unternehmens etwas, das man „im Ort“ spürte: Stammkundschaft, Empfehlungen, vielleicht eine Anzeige im Branchenbuch. Heute reicht ein einziger Moment auf dem Display. Ein potenzieller Kunde tippt Ihren Namen ein, sieht die Sterne und fällt ein Urteil, noch bevor er Ihre Website geöffnet hat. Und weil dieser Reflex inzwischen Alltag ist, sind Bewertungen zur Leitwährung geworden: Eine aktuelle Zahl liefert der BrightLocal “Local Consumer Review Survey 2025”: 24 Prozent der Verbraucher sagen, sie seien sicher, im letzten Jahr eine Fake-Bewertung erkannt zu haben (2024: 19 Prozent).

Das klingt nach Fortschritt, ist aber auch die Schattenseite der Sterne-Ökonomie. Denn Sterne wirken objektiv, sind es aber nicht. Sie können zufällig sein, emotional, überzogen und in manchen Fällen strategisch. Wer einmal erlebt hat, wie ein einziger Ein-Stern-Kommentar („Nie wieder!“) sich wie ein kleiner Brandbeschleuniger durch die Wahrnehmung frisst, versteht sofort: Hier geht es nicht um Eitelkeit, sondern um wirtschaftliche Realität. Zumal viele Menschen knallhart filtern: 71 Prozent würden laut derselben Studie ein Unternehmen mit weniger als drei Sternen gar nicht in Betracht ziehen.

Jetzt kommt der juristisch brisante Teil: Was ist noch zulässige Meinung und was wird zur rechtswidrigen Rufschädigung? Denn Bewertungen sind nicht nur „Gefühl“, sondern oft konkrete Behauptung. „Abzocke“, „Betrug“, „nie geliefert“, „beleidigend“, „gefährlich“. Solche Sätze können, je nach Inhalt, die Grenze von der Meinung zur Tatsachenbehauptung überschreiten. Und dann stellt sich die kritische Frage: Muss ein Unternehmen das hinnehmen, nur weil es auf einer Plattform steht? Oder gilt auch im digitalen Raum, dass Wahrheit und Fairness Mindeststandards sind?

Die Lage wird zusätzlich dadurch verschärft, dass das System manipulierbar ist, und das ist keine Verschwörung, sondern ein regulatorisch anerkanntes Problem. In Großbritannien wurden Fake Reviews 2025 ausdrücklich stärker ins Visier genommen; Berichte verweisen darauf, dass Studien mindestens 10 Prozent Fake-Bewertungen auf Drittplattformen sehen. Gleichzeitig wächst der Druck auf Plattformen: Google hat nach einer Untersuchung der britischen Wettbewerbsbehörde zugesagt, härter gegen Fake-Reviews vorzugehen, inklusive Sperren von „Serien-Fakern“ und Sanktionen gegen manipulierende Unternehmen. Und selbst Konsumenten sagen zunehmend, sie hätten Fakes gesehen.

Genau hier liegt die Schattenseite, nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Personen, Visionen und Aktionen. Ein Start-up, das gerade Investoren überzeugen will. Eine Arztpraxis, die Fachkräfte sucht. Eine NGO, die eine Spendenkampagne startet. Ein lokales Projekt, das gesellschaftlich polarisiert. Alle können in Sekunden „geratet“ werden, obwohl die Bewertung vielleicht gar keine echte Erfahrung widerspiegelt. Und während früher ein unfairer Ruf oft an der Stammtischkante endete, wird er heute indexiert, geteilt, zitiert, wie ein dauerhaft sichtbarer Aktenvermerk.

Gleichzeitig ist der Effekt der Bewertungen messbar wirtschaftlich: Forschung des Spiegel Research Center zeigt, dass Reviews die Conversion-Raten deutlich erhöhen können. Im untersuchten Datensatz stiegen sie bei einem günstigen Produkt um 190 Prozent, bei einem hochpreisigen sogar um 380 Prozent, sobald Bewertungen angezeigt wurden. Das ist die Chance. Die Gefahr ist dieselbe Mechanik in die andere Richtung: Wenn Bewertungen Vertrauen so stark steuern, kann Missbrauch ebenso stark schaden.

Und was ist mit der Verantwortung der Plattformen? Auch hier wird die Luft dünner: Der Digital Services Act zwingt Hosting-Dienste zu nutzerfreundlichen Meldewegen („Notice and Action“), damit rechtswidrige Inhalte überhaupt effektiv gemeldet und geprüft werden können. Die juristisch spannende Zukunftsfrage lautet deshalb: Werden Bewertungen 2026 stärker „verifizierbar“ werden müssen oder bleibt es beim System „jeder darf alles sagen, und der Schaden bleibt beim Betroffenen“?

Die Wahrheit ist: Sterne können ein Turbo sein oder ein Bremsklotz. Wer das früh versteht, behandelt Bewertungen nicht als Nebensache, sondern als strategisches und rechtliches Risikofeld. Und genau dort beginnt die eigentliche Arbeit: zu unterscheiden zwischen legitimer Kritik, die man souverän nutzt, und Angriffen, die man juristisch sauber stoppt.

Bewertungen manipulieren Marktentscheidungen - Dr Thomas Schulte

Manipulation mit System – wie Bewertungsbetrug funktioniert

Bewertungsbetrug ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ein professionell organisierter Markt. Agenturen bieten Pakete an, mit denen innerhalb weniger Tage das Bewertungsprofil eines Unternehmens massiv verändert werden kann. Positive Rezensionen werden automatisiert generiert, negative Stimmen gezielt verdrängt oder gemeldet. Gleichzeitig nutzen Wettbewerber das System, um gezielt Schaden anzurichten, durch falsche Tatsachenbehauptungen oder massenhafte Negativbewertungen.

Rechtlich sind solche Praktiken klar unzulässig. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verbietet irreführende geschäftliche Handlungen. Wer falsche Tatsachen behauptet oder Bewertungen vortäuscht, verstößt gegen § 5 UWG. Hinzu kommen zivilrechtliche Ansprüche wegen Rufschädigung sowie mögliche strafrechtliche Konsequenzen bei gezielter Verleumdung.

In der Praxis jedoch ist die Durchsetzung dieser Rechte schwierig. Die Beweislast liegt häufig beim Betroffenen. Plattformen wie Google prüfen gemeldete Bewertungen zwar formal, reagieren jedoch oft automatisiert und ohne transparente Begründung. Für Verbraucher bleibt unklar, warum bestimmte Bewertungen sichtbar bleiben und andere verschwinden.

Dr. Thomas Schulte erklärt: „Das Kernproblem ist nicht das Recht, sondern seine Durchsetzung. Plattformen agieren global, Betroffene lokal. Diese Asymmetrie erschwert effektiven Rechtsschutz erheblich.“

Für Verbraucher hat das weitreichende Folgen. Eine manipulierte Bewertung kann dazu führen, dass sie Dienstleistungen meiden, seriöse Anbieter übersehen oder sich für minderwertige Angebote entscheiden. Das Bewertungssystem, das Orientierung bieten soll, wird so selbst zur Quelle von Fehlinformationen.

Rechtliche Grenzen und digitale Verantwortung

Juristisch ist die Trennlinie eindeutig: Meinungen sind geschützt, falsche Tatsachen nicht. Wer schreibt, dass ihm ein Service nicht gefallen hat, äußert eine subjektive Einschätzung. Wer jedoch behauptet, ein Unternehmen habe betrogen, hygienische Mängel verschwiegen oder falsche Leistungen erbracht, muss dies belegen können. Andernfalls liegt eine unzulässige Tatsachenbehauptung vor, die gelöscht werden kann und muss.

Für Verbraucher bedeutet das allerdings nicht automatisch Schutz. Denn sie sind nicht Vertragspartner der Plattformen, sondern Nutzer. Ihre Rechte auf zutreffende Information ergeben sich nur indirekt, etwa über Wettbewerbsrecht, Datenschutz oder allgemeine Verbraucherschutzprinzipien. Genau hier entsteht eine Schutzlücke.

Dr. Thomas Schulte sieht dringenden Handlungsbedarf: „Wenn Bewertungen faktisch Marktentscheidungen steuern, brauchen wir höhere Transparenzanforderungen. Verbraucher haben ein Recht darauf, zu wissen, wie glaubwürdig eine Bewertung ist.“

Neben den rechtlichen Fragen rückt deshalb Reputationsmanagement als strategische Führungsaufgabe in den Mittelpunkt, nicht als „Online-Spielerei“, sondern als aktiver Reputationsschutz, der die Positionierung eines Unternehmens sichtbar macht und zugleich Risiken beherrschbar hält. Zu beachten ist: Verantwortung entsteht nicht erst im Konflikt mit einer Plattform oder im Gerichtsverfahren, sondern bereits vorher – bei der Fähigkeit von Personen, Unternehmen und Institutionen, die eigenen Reputationsrisiken zu verstehen, Frühwarnsignale ernst zu nehmen und präventiv Strukturen aufzubauen. Wer Reputation dem Zufall überlässt, überlässt damit auch Kundenvertrauen, Arbeitgeberattraktivität und Kooperationsfähigkeit dem Zufall.

Unternehmen wie ABOWI UAB setzen genau hier an: durch laufendes Monitoring digitaler Profile, durch das Erkennen auffälliger Muster (plötzliche Bewertungswellen, wiederkehrende Formulierungen, unplausible Nutzerprofile), durch dokumentierte Eskalationsprozesse und durch rechtssichere Reaktionen, die sowohl kommunikativ als auch juristisch tragfähig sind. Das bedeutet zugleich, intern die Voraussetzungen zu schaffen, die nach außen wirken: klare Zuständigkeiten, respektvoller Umgang, nachvollziehbare Abläufe, eine belastbare Beschwerdekultur und ein konsistentes Wertesystem, das in jeder Kundeninteraktion spürbar wird. Denn die beste Verteidigung gegen Rufschäden ist nicht der spätere Streit, sondern eine präventiv geführte Reputation, die echte positive Erfahrungen wahrscheinlicher macht und Manipulation schneller entlarvt.

Ziel ist dabei nicht, legitime Kritik zu unterdrücken oder ein „perfektes“ Bild zu erzwingen. Ziel ist vielmehr, Transparenz zu sichern und systematische Täuschung zu verhindern: Echte Erfahrungen sollen sichtbar bleiben, rechtswidrige Angriffe oder Fake-Kampagnen hingegen sollen früh erkannt, sauber belegt und konsequent abgewehrt werden, damit der gute Name nicht von Zufall, Missbrauch oder digitalen Machtspielen abhängt, sondern von überprüfbarer Qualität und verantwortlicher Positionierung.

Fazit: Sterne brauchen Kontrolle

Google‑Bewertungen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie beeinflussen Kaufentscheidungen, lenken Nachfrage und prägen das Vertrauen in Unternehmen. Doch dieses Vertrauen ist fragil. Solange Bewertungen manipulierbar bleiben, tragen Verbraucher ein erhebliches Risiko, auf falsche Signale hereinzufallen.

Transparenz, rechtliche Durchsetzung und professionelles Reputationsmanagement sind daher keine Luxusfragen mehr, sondern Grundvoraussetzungen für einen fairen digitalen Markt. Verbraucher sollten Bewertungen kritisch lesen, Muster erkennen und sich nicht allein auf Sterne verlassen. Unternehmen wiederum müssen Verantwortung für ihre digitalen Profile übernehmen, nicht defensiv, sondern strategisch.

Dr. Thomas Schulte bringt es abschließend auf den Punkt: „Ein Bewertungssystem ohne Kontrolle schadet am Ende allen, den Unternehmen, den Verbrauchern und der Glaubwürdigkeit des digitalen Marktes selbst.“

Die Artikel Highlights

Empfehlung von Dr. Thomas Schulte wegen großer Erfahrung und erfolgreicher Prozessführung, z.B. Titelbeitrag im Magazin „Capital“, Ausgabe 07/2008.

Der Beitrag schildert die Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt der Erstellung. Internetpublikationen können nur einen ersten Hinweis geben und keine Rechtsberatung ersetzen.

Ein Beitrag aus unserer Reihe "So ist das Recht - rechtswissenschaftliche Publikationen von Dr. Schulte Rechtsanwalt" registriert bei DEUTSCHE NATIONALBIBLIOTHEK: ISSN 2363-6718
24. Jahrgang - Nr. 12157 vom 28. Januar 2026 - Erscheinungsweise: täglich - wöchentlich