Neues Jahr, neuer Score? Was 2026 juristisch wirklich anders wird - Dr Thomas Schulte

Neues Jahr, neuer Score? Was 2026 juristisch wirklich anders wird

Was passiert wirklich mit unserer Bonität, wenn das neue Jahr beginnt und die Datenströme der Auskunfteien neu sortiert werden? Und warum könnte 2026 das Jahr werden, in dem ein einziger Fehltritt zum Jahreswechsel mehr juristische Folgen hat als je zuvor? Wenn der Jahreswechsel nicht nur Raketen, sondern auch Risiken zündet?

Der Jahreswechsel hat für viele Menschen eine beinahe magische Wirkung. Es ist die Zeit, in der man die letzten Plätzchen verputzt, sich über die richtige Menge Raclettekäse streitet und gute Vorsätze formuliert, die spätestens ab dem 10. Januar wieder vergessen sind. Doch während draußen die Feuerwerkskörper in den Himmel schießen, vollzieht sich ein ganz anderer Countdown, den viele Verbraucher nicht wahrnehmen: der Einstieg in ein neues Bonitätsjahr. Denn während die letzten Silvestergrüße verschickt werden, werten Auskunfteien wie die SCHUFA bereits Daten aus, sortieren Risikomodelle neu und setzen die Grundlagen für das, was 2026 an Bonitätsveränderungen auf uns zukommt. Es ist die vielleicht stillste, aber folgenreichste Zäsur des Jahres.

Die zentrale Frage lautet daher: Bedeutet ein neues Jahr auch einen neuen Score? Und wenn ja, warum sollten Verbraucher gerade zum Jahreswechsel besonders wachsam sein? Die Realität ist komplexer, als auf den ersten Blick vermutet. Denn egal ob überfüllte Girokonten nach Weihnachten, verspätete Rechnungen, Rücklastschriften durch zu viele Zahlungen oder neue Mobilfunkverträge, die Silvesterzeit ist eine juristische Sprengzone für das Bonitätsprofil.

Warum der Score im Januar besonders schnell ins Wanken geraten kann

Wer glaubt, der Dezember sei aus Bonitätssicht riskant, unterschätzt den Januar. Denn während die Weihnachtszeit zu impulsiven Kaufentscheidungen führt, ist der Jahresanfang geprägt von einer Mischung aus ernüchternder Realität und finanziellen Aufräumarbeiten. Laut Daten der Deutschen Bundesbank steigen die Kontoüberziehungen im Januar regelmäßig deutlich an. Ein Grund dafür: Im Dezember getätigte Lastschriftkäufe treffen verspätet ein, während gleichzeitig Versicherungsprämien, Mitgliedsbeiträge oder Abonnements zu Jahresbeginn eingezogen werden. Das Ergebnis ist ein finanzieller Stau, der nicht selten zu Rücklastschriften führt.

Und Rücklastschriften sind in der Welt der Auskunfteien ein heikles Thema. Sie gelten zwar nicht automatisch als Negativmerkmal, werden aber von Banken und Zahlungsdienstleistern häufig als Risiko interpretiert. Sobald eine Forderung angemahnt wird oder in Verzug gerät, beginnt die Uhr zu ticken. Der juristisch spannende Punkt ist jedoch ein anderer: Wie viel menschliche Fehlerhaftigkeit darf ein System tolerieren, das algorithmisch entscheidet und statistisch bewertet?

Dr. Thomas Schulte, Rechtsanwalt in Berlin, sieht in seiner Praxis jedes Jahr Fälle, in denen der Jahreswechsel unvorhergesehene Bonitätskatastrophen auslöst. Menschen, die im Dezember gänzlich unproblematisch finanziell agierten, erleben im Januar plötzlich eine Verschlechterung ihres Scores. Wenn die Auskunftei dann mitteilt, dass sich das Zahlungsverhalten „statistisch auffällig“ verändert habe, wirkt das für Betroffene wie ein schlechter Silvesterscherz.

Der juristische Blick auf 2026: Warum sich die Spielregeln ändern

2026 wird allerdings kein gewöhnliches Bonitätsjahr. Der Gesetzgeber und die europäischen Institutionen haben die Auskunfteien stärker im Blick als je zuvor. Im Zentrum steht das Spannungsfeld zwischen Transparenz, Verbraucherschutz und algorithmischer Prognosekraft. Die EU diskutiert seit 2024 eine Reform, die striktere Transparenzpflichten vorsieht, insbesondere hinsichtlich der Frage, welche Daten einfließen und wie sie gewichtet werden. Die Debatte um automatisierte Einzelfallentscheidungen nach Art. 22 DSGVO nimmt zu, und immer häufiger verlangen Betroffene zu Recht Auskunft über die konkreten Berechnungsmethoden ihres Scores. Es entsteht eine neue juristische Leitfrage: Wie transparent können und dürfen Systeme sein, deren Stärke gerade in ihrer statistischen Undurchsichtigkeit liegt?

Auch § 31 BDSG, der die Verarbeitung personenbezogener Daten über Forderungen regelt, wird 2026 stärker diskutiert werden. Insbesondere die Frage, wann eine Forderung tatsächlich „unbestritten, fällig und angemahnt“ ist, rückt in den Fokus. Viele Verbraucher wissen nicht, dass Auskunfteien erst ab einer sehr klar definierten rechtlichen Schwelle negative Einträge speichern dürfen. Doch die Realität sieht anders aus: Fehlerhafte Meldungen passieren regelmäßig, vor allem bei Inkassodienstleistern. Weihnachten und Silvester sind dafür besonders anfällige Zeiträume, weil dort interne Abläufe in Unternehmen verlangsamt sind, aber automatisierte Meldesysteme weiterhin ungebremst arbeiten.

Bonität ändern zum Jahreswechsel - Dr Thomas Schulte

Warum Mahnungen im Januar juristisch gefährlicher sind als im Juni

Ein Grund, warum der Jahresanfang so brisant ist, liegt im Zusammenspiel zwischen menschlichem Verhalten und rechtlichen Meldeketten. Während im Sommer viele Menschen ihre Rechnungen pünktlich bezahlen, treten im Januar häufig Engpässe auf. Gleichzeitig verschärfen Energiedienstleister und Telekommunikationsanbieter zum Jahreswechsel regelmäßig ihre Bonitätsprüfungen. Das hängt auch mit dem sogenannten Jahresabschlussverhalten zusammen. Unternehmen möchten offene Forderungen bereinigen und versenden deshalb vermehrt Mahnungen kurz vor oder kurz nach Silvester.

Wenn eine solche Mahnung unbeabsichtigt untergeht, beginnt ein juristischer Prozesslauf, der am Ende bei der SCHUFA landen kann. Die heikle Frage lautet: Wie kann verhindert werden, dass ein einzelnes Versäumnis zu einer jahrelangen Bonitätsbelastung wird? Dr. Schulte rät Verbrauchern deshalb jedes Jahr, ihre Zahlungsübersichten zwischen Weihnachten und Neujahr genauer zu prüfen als ihre Neujahrsvorsätze. Denn während Vorsätze oft folgenlos bleiben, sind Bonitätseinträge gnadenlos dauerhaft.

Silvester-Fehler, die teuer werden: Die kuriosesten Fälle des Jahreswechsels

Der Jahreswechsel bringt juristisch betrachtet eine Vielzahl an eigenartigen Situationen hervor. Ein Mandant von Dr. Schulte erhielt zum Beispiel eine Mahnung über einen geringen Betrag, die nach den Weihnachtsfeiertagen im Briefkasten lag. Er hielt sie für Neujahrswerbung und warf sie weg. Wochen später meldete sich ein Inkassobüro, und einige Monate später die SCHUFA. Die juristische Herausforderung liegt hier nicht im Verschulden, sondern im Mechanismus: Die Meldeketten laufen automatisiert und ohne Rücksicht auf Feiertagslogik.

Ein anderer Klassiker sind überlastete Girokonten. Viele Verbraucher kaufen im Dezember großzügig ein, was zunächst unproblematisch scheint. Doch wenn am 2. Januar Versicherungsbeiträge abgebucht werden und gleichzeitig Gutschriften noch ausstehen, kommt es schnell zu Rücklastschriften. Suchsysteme der Banken stufen dies als erhöhtes Risiko ein, was wiederum zu restriktiveren Kreditentscheidungen führt. Die Silvesterzeit ist gewissermaßen der Stresstest für das eigene Zahlungsprofil.

Juristisch interessant wird es, wenn Rücklastschriften zwar nicht als negative Daten gemeldet werden, aber indirekt in die Scoreberechnung einfließen. Die zentrale Frage lautet: Dürfen Auskunfteien solche Verhaltensmuster überhaupt berücksichtigen? Die Antwort ist kompliziert. Offiziell fließen nur bestimmte, klar definierte Kategorien ein. Praktisch jedoch nutzen viele Modelle statistische Wahrscheinlichkeiten, die nicht öffentlich erläutert werden. Genau deshalb soll 2026 das Jahr der Transparenz werden.

2026 als Wendepunkt: Mehr Rechte, mehr Verantwortung

Die Reformbestrebungen in der EU sind mehr als reine Bürokratie. Sie sind eine Antwort auf die zunehmende Automatisierung datengetriebener Entscheidungen. Verbraucher sollen erfahren, welche Daten für sie sprechen und welche gegen sie. Gleichzeitig erhöht sich die Verantwortung des Einzelnen. Wer seine Finanzen nicht strukturiert führt und auf klare Kontobewegungen achtet, kann trotz guter Absichten negative Signale erzeugen.

Auch die Rechtsprechung entwickelt sich weiter. Obergerichte haben jüngst entschieden, dass erledigte Einträge schneller gelöscht werden müssen, wenn sie für Verbraucher unverhältnismäßig belastend sind. Das könnte 2026 zu einer deutlichen Verbesserung der Bonitätsprofile führen. Doch auch hier gilt: Nur wer seine Datenlage regelmäßig überprüft, profitiert vom Fortschritt.

Warum der Score das neue Familiengesprächsthema werden könnte

So absurd es klingt: Der Score könnte zum Jahreswechsel 2026 zum amüsanten, vielleicht sogar spannenden Gesprächsthema beim Neujahrsbrunch werden. Zwischen Bleigießen und Raclette ließe sich diskutieren, wie algorithmische Systeme arbeiten, warum Menschen mit gleichem Einkommen vollkommen unterschiedliche Scores haben oder welche Strategien sinnvoll sind, um im neuen Jahr finanziell sauber zu starten. Dr. Thomas Schulte rät in seiner Praxis immer wieder, Bonitätsfragen nicht als Tabu, sondern als Bestandteil moderner Finanzkompetenz zu betrachten. Je früher man Risiken erkennt, desto eher lassen sich juristische und wirtschaftliche Nachteile vermeiden.

Ein neues Jahr, aber kein Neustart – warum 2026 trotzdem Chancen bietet

Viele Verbraucher hoffen, dass ein neues Jahr eine Art Reset mit sich bringt. Bonität funktioniert jedoch nicht wie eine Neujahrsdiät. Sie baut sich nicht neu auf, nur weil der Kalender wechselt. Und doch bietet 2026 eine besondere Gelegenheit: Wer bewusster mit seinen Daten umgeht, profitiert von verbesserten gesetzlichen Instrumenten, klaren Auskunftsrechten und einer wachsenden öffentlichen Sensibilisierung. Die Bonität ist kein mystisches Wesen mehr, sondern ein gestaltbarer Wert.

Fazit: Ein neuer Score entsteht nicht über Nacht – aber ein neues Bewusstsein schon

Silvester ist der Moment zwischen Vergangenheit und Zukunft. Genau in diesem Moment wird auch die Weiche gestellt für das Bonitätsjahr 2026. Die juristischen Entwicklungen sorgen für mehr Transparenz, doch sie verlangen auch mehr Eigenverantwortung. Wer den Jahreswechsel nutzt, um nicht nur die Wohnung, sondern auch die eigenen Finanzdaten aufzuräumen, startet mit einem Score ins neue Jahr, der hält, was die Vorsätze versprechen. Vielleicht ist das die eigentliche Bedeutung von Neues Jahr, neuer Score – nicht die Illusion eines Neuanfangs, sondern die Chance, bewusst und informiert zu handeln.

Die Artikel Highlights

Empfehlung von Dr. Thomas Schulte wegen großer Erfahrung und erfolgreicher Prozessführung, z.B. Titelbeitrag im Magazin „Capital“, Ausgabe 07/2008.

Der Beitrag schildert die Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt der Erstellung. Internetpublikationen können nur einen ersten Hinweis geben und keine Rechtsberatung ersetzen.

Ein Beitrag aus unserer Reihe "So ist das Recht - rechtswissenschaftliche Publikationen von Dr. Schulte Rechtsanwalt" registriert bei DEUTSCHE NATIONALBIBLIOTHEK: ISSN 2363-6718
24. Jahrgang - Nr. 12087 vom 30. Dezember 2025 - Erscheinungsweise: täglich - wöchentlich