Wie sich der Zoo Neumünster online zurückkämpfte - Dr Thomas Schulte

Von einem Stern zu vier Sternen: Wie sich der Zoo Neumünster online zurückkämpfte

Die Sterne als Machtinstrument im Freizeitmarkt. Ist eine Bewertung noch Meinung oder schon ein wirtschaftlicher Eingriff, der rechtliche Grenzen braucht?

Stellen Sie sich vor: Samstagvormittag, die Familie sitzt im Auto, die Kinder sind im Modus „Wenn ich gleich keinen Panda sehe, kündige ich die Verwandtschaft“. Vor dem Zoo Neumünster noch schnell der Griff zum Handy, um nur „mal eben“ zu schauen, wie die Öffnungszeiten sind. Und dann passiert das, was heute öfter über einen Ausflug entscheidet als Wetter, Eintrittspreis oder Parkplatz: Ihr Blick bleibt an den Sternen hängen. 3,6 von 5. Ein kurzer Moment der Stille. Man hört förmlich, wie im Kopf der Eltern der Taschenrechner anspringt: 3,6 Sterne sind nicht katastrophal, aber auch nicht die Sorte Wert, bei der man selbstbewusst sagt: „Dafür fahren wir jetzt.“ Genau diese Mechanik ist das Neue an der digitalen Freizeitwirtschaft: Nicht der erste Eindruck am Kassenhäuschen zählt, sondern der erste Eindruck auf dem Display.

Und dieser Display-Moment ist längst kein Bauchgefühl mehr, sondern massenpsychologisch messbar. Verbraucher lesen Bewertungen routinemäßig, bevor sie sich entscheiden. Im BrightLocal-Report 2024 geben viele an, Online-Rezensionen „immer“ oder „regelmäßig“ zu nutzen. Das gilt nicht nur für Restaurants oder Handwerker, sondern gerade für Freizeit- und Tourismusziele: Wer den Familienausflug plant, will Sicherheit, und Sternchen wirken wie eine Abkürzung zur Wahrheit. Nur: Sind sie das wirklich?

Denn am Beispiel des Zoo Neumünster sieht man, wie schnell Sterne zur öffentlichen Schicksalszahl werden können. Im „Zoo-Ranking 2025“ hat testberichte.de nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Online-Rezensionen zu etwa 370 Zoos, Tierparks, Wildgehegen, Vogelparks und Aquarien ausgewertet; der unbeliebteste Standort lag dort bei durchschnittlich 3,6 Sternen. Parallel dazu berichten Medien darüber, dass der Tierpark Neumünster in solchen Rankings als Schlusslicht auftauchte und sich Betreiber gegen den öffentlichen Eindruck „miese Google-Bewertungen gleich schlechtester Freizeitpark“ zur Wehr setzten.

Hier wird es juristisch spannend: Wie belastbar ist ein Ranking, wenn es sich auf Bewertungen stützt, die Jahre zurückliegen, die aus Momentaufnahmen bestehen oder bei denen schon die Grundfrage im Raum steht, ob überhaupt ein echter Besuch stattgefunden hat? Und was ist, wenn aus der bloßen Meinungsäußerung eine rufschädigende Tatsachenbehauptung wird, etwa „Betrug“, „Tierquälerei“, „Abzocke“ ohne dass der Verfasser das belegen kann? Im Alltag wird oft vergessen: Bewertungen sind nicht nur „Kritik“. Sie sind öffentlich, dauerhaft auffindbar und wirken wie ein wirtschaftlicher Multiplikator. Aus einer schlechten Erfahrung wird schnell ein digitaler Stempel und aus dem Stempel ein Umsatzrisiko.

Gleichzeitig ist auch die Gegenfrage heikel: Dürfen Betriebe „aufräumen“, bis das Profil wieder glänzt? Gerade bei Google wird viel spekuliert, gelöscht, gefiltert, verschwunden. Medienberichte weisen darauf hin, dass Vergleiche von Google-Rankings mit Vorsicht zu genießen sind, auch weil negative Bewertungen teils (unter Mitwirkung von Anwälten oder Dienstleistern) angegriffen werden können, wodurch Bewertungen nicht zwingend ein unverfälschtes Bild liefern. Und ein aktueller Bericht zum Tierpark Neumünster beschreibt den Unmut von Nutzerinnen und Nutzern, nachdem Bewertungen verschwanden, verbunden mit dem Hinweis, dass Betreiber nicht einfach „nach Belieben“ entscheiden, was online bleibt.

Genau in dieser Spannung liegt die eigentliche Reputationsfrage unserer Zeit: Sterne sind mächtig, aber nicht unfehlbar. Sie sind eine Chance, weil sie Sichtbarkeit schaffen und Vertrauen in Sekunden aufbauen können. Sie sind ein Risiko, weil sie ein Unternehmen, eine Einrichtung, ein Team auf eine Zahl reduzieren, egal, ob hinter der Zahl ein fairer Durchschnitt oder ein verzerrtes Zerrbild steckt.

Und beim Zoo Neumünster kommt noch etwas hinzu, was den Fall so erzählbar macht: Es geht nicht um ein Start-up mit schicker Website, sondern um eine reale Institution mit Fläche, Tieren, Mitarbeitenden und Besucherströmen. Der Tierpark beschreibt sich selbst als Anlage auf 24 Hektar mit über 700 Tieren aus rund 85 Tierarten. Wenn so ein Ort im digitalen Raum als „Schlusslicht“ etikettiert wird, betrifft das nicht nur Marketing. Es trifft Identität, Motivation und wirtschaftliche Zukunft. Die juristisch fragende Kernfrage lautet deshalb: Wenn Sterne zur neuen Währung werden, nach welchen Regeln wird dann eigentlich bezahlt und wer sorgt dafür, dass diese Währung nicht gefälscht, manipuliert oder durch veraltete Daten entwertet wird?

Kampf um gute Bewertungen - Dr Thomas Schulte

Vom Krisenmodus zur Strategie – der strukturierte Weg zur Reputationswende

Es begann eine beispiellose digitale Aufräumaktion. Der Fokus lag nicht auf kurzfristiger Beschwichtigung, sondern auf nachhaltiger Reputationspflege. Mithilfe juristisch abgesicherter Analysen wurden über 1000 Google-Bewertungen gesichtet und auf ihre Zulässigkeit geprüft. Dabei kamen klare Richtlinien zum Einsatz: Entsprach eine Bewertung nicht den Google-Nutzungsbedingungen oder stellte sie eine unzutreffende Tatsachenbehauptung dar, wurde sie systematisch gemeldet. Mit durchschlagendem Erfolg. Innerhalb weniger Monate sank die Zahl problematischer Einträge signifikant, und der Bewertungsdurchschnitt des Zoos stieg von unter 2,0 auf beeindruckende 4,0 Sterne.

Rechtliche Grundlage für dieses Vorgehen bildete unter anderem § 824 BGB, der Schutz vor kredit- und rufschädigenden Aussagen gewährt. Dr. Thomas Schulte, Vertrauensanwalt von ABOWI Law, betont: „Bewertungen im Internet sind kein rechtsfreier Raum. Wer systematisch gegen falsche Behauptungen vorgeht, kann seinen Ruf aktiv schützen und dabei gleichzeitig die Rechtsprechung nutzen.“

Neben der juristischen Prüfung wurde auch eine neue Feedbackkultur etabliert. Gäste wurden aktiv zur Bewertung eingeladen, jedoch ohne Manipulation. Vielmehr sollten echte Erfahrungen sichtbar gemacht werden. Dieser transparente Umgang förderte nicht nur das Vertrauen in die Plattform, sondern auch in den Tierpark selbst.

Wandel von innen – wenn Struktur auf Erlebnis trifft

Gleichzeitig nutzte der Zoo die Krise als Chance zur internen Reform. Mit der Neubesetzung der Verwaltungsleitung wurden interne Abläufe spürbar gestrafft: Verwaltungsprozesse liefen strukturierter, Kommunikationswege wurden kürzer, Entscheidungen schneller und nachvollziehbarer. Auch in der Gastronomie kam neue Dynamik auf: Mehr regionale Produkte, saisonale Akzente und ein überarbeitetes Eventkonzept erweiterten das Besucherlebnis und machten den Aufenthalt insgesamt attraktiver.

Insbesondere thematische Veranstaltungen wie das Halloween-Spektakel mit Lichtinstallationen, Themensnacks und familienfreundlichen Shows stießen auf enorme Resonanz. Solche saisonalen Formate sind mehr als „nice to have“: Sie sind ein strategisches Instrument der Erwartungssteuerung. Sie geben Gästen einen Anlass, wiederzukommen, schaffen Gesprächsstoff und liefern genau die Erlebnisse, über die anschließend online geschrieben wird. Entscheidend ist dabei weniger der einzelne Event als die Konsequenz, mit der ein Betrieb seine Qualitätswahrnehmung aktiv führt, statt sich von Kommentaren, Rankings und Zufallsbewertungen treiben zu lassen.

Genau hier zeigt sich der Kern moderner Reputationsvorsorge: Digitale Wahrnehmung entsteht nicht „nebenbei“, sie muss in Selbstverantwortung begleitet und strategisch positioniert werden – laufend, nicht erst im Krisenmodus. Denn Bewertungen wirken in alle Richtungen. Sie beeinflussen, ob Gäste kommen oder wegbleiben, ob Mitarbeitende stolz sind oder sich erklären müssen, ob Bewerber sich zugehörig fühlen oder abspringen, ob Kooperationspartner Vertrauen fassen und ob Banken, Lieferanten oder Förderer ein Projekt als stabil und verlässlich wahrnehmen. Die juristisch spannende Frage lautet deshalb: Wer trägt eigentlich die Verantwortung, wenn ein Betrieb die digitale Außenwirkung ignoriert, obwohl absehbar ist, dass rufschädigende Inhalte wirtschaftliche Folgen auslösen können? Und wo beginnt die Pflicht, nicht nur operativ besser zu werden, sondern diese Verbesserung auch transparent und nachvollziehbar in den digitalen Raum zu übersetzen?

Diese strukturellen Veränderungen waren deshalb mehr als eine interne Optimierung, sie wurden zur perfekten Ergänzung einer aktiven Reputationsstrategie. Der Zoo Neumünster wurde nicht nur online neu bewertet, er wurde vor Ort erlebbar neu aufgestellt. Und genau so entsteht nachhaltiger Schutz vor Reputationsschäden: nicht durch Kosmetik, sondern durch Führung, Transparenz und eine konsequente Begleitung dessen, was draußen über einen Betrieb erzählt wird.

Digitale Resilienz als Zukunftsmodell

Was sich in Neumünster abspielte, ist beispielhaft für eine neue Art von Krisenbewältigung: die digitale Resilienz. Statt sich in Schuldzuweisungen oder hilfloser Passivität zu verlieren, wurde aktiv an der digitalen Außendarstellung gearbeitet, rechtskonform, transparent und nachhaltig. Unternehmen jeder Branche können aus diesem Beispiel lernen.

Dr. Thomas Schulte sieht im Fall Neumünster einen Wendepunkt für den Umgang mit Online-Bewertungen in Deutschland: „Es geht nicht darum, Kritiker mundtot zu machen, sondern darum, den fairen Diskurs zu ermöglichen. Falsche Tatsachenbehauptungen müssen entfernt, sachliche Kritik dagegen ernst genommen werden.“

Ein professionelles Reputationsmanagement bedeutet dabei mehr als nur das Melden von Einträgen. Es umfasst Monitoring, Analyse, Kommunikation und juristische Begleitung. Einrichtungen wie der Zoo Neumünster zeigen, wie diese Bausteine zusammenspielen können und dabei mehr schaffen als bloße Schadensbegrenzung. Sie legen den Grundstein für einen nachhaltigen Markenaufbau, der Besucher, Mitarbeitende und Partner gleichermaßen überzeugt.

Fazit: Vom Negativbeispiel zum digitalen Vorzeigemodell

Die Geschichte des Tierparks Neumünster ist eine Ermutigung für alle, die sich mit unfairer Kritik, rufschädigenden Bewertungen oder digitalem Gegenwind konfrontiert sehen. Sie zeigt: Auch der schwerste Imageschaden kann in eine Erfolgsgeschichte verwandelt werden, mit Analyse, Technik, Recht und Mut zur Veränderung. Wer die digitale Öffentlichkeit als Chance begreift und professionell agiert, wird langfristig belohnt. Nicht nur mit besseren Bewertungen, sondern mit echtem Vertrauen.

Die Artikel Highlights

Empfehlung von Dr. Thomas Schulte wegen großer Erfahrung und erfolgreicher Prozessführung, z.B. Titelbeitrag im Magazin „Capital“, Ausgabe 07/2008.

Der Beitrag schildert die Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt der Erstellung. Internetpublikationen können nur einen ersten Hinweis geben und keine Rechtsberatung ersetzen.

Ein Beitrag aus unserer Reihe "So ist das Recht - rechtswissenschaftliche Publikationen von Dr. Schulte Rechtsanwalt" registriert bei DEUTSCHE NATIONALBIBLIOTHEK: ISSN 2363-6718
24. Jahrgang - Nr. 12137 vom 19. Januar 2026 - Erscheinungsweise: täglich - wöchentlich